Ihren Ausweis bitte!

30. Mai 2011

Im nächsten Editorial von “Hausbau” (ab dem 17.6. im Handel erhältlich) geht es um den Energieausweis. Ich möchte Ihnen das Thema nicht vorenthalten und bin gespannt auf Ihre Meinung:

 

Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare, Formulare. Dieses geflügelte Wort hat gerade für Bauherren seine Berechtigung, der notwendige Papierkram ist einfach lästig. Da ist es doch schön, wenn ich laut deutschem Baurecht für einen Neubau automatisch ein Dokument bekomme, das sogar einen offiziellen Namen trägt: den Energieausweis.

Schade nur, dass die Aussagekraft des Papiers gering ist. Die entsprechenden Werte werden auf Grundlage der Energieeinsparungverordnung berechnet und haben mit der Realität leider noch weniger zu tun als Herstellerangaben zum Benzinverbrauch von Autos. Das weiß auch der Gesetzgeber, denn auf dem Ausweis heißt es ausdrücklich: „Insbesondere wegen standardisierter Randbedingungen erlauben die angegebenen Werte keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch.“ Das Ziel, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit für Bauherren zu schaffen, wird so verfehlt. Zudem ist einiges Expertenwissen notwendig, um die Angaben zu verstehen. Zur Berechnung wird beispielsweise nicht die Wohnfläche sondern die Gebäudenutzfläche angesetzt. Diese errechnet sich aus einer komplizierten Formel, bei der u.a. das geheizte Gebäudevolumen, welches von der wärmeübertragenden Umfassungsfläche umschlossen wird, eine Rolle spielt. Alles klar, oder?

Wünschenswert für den Neubau sind realistische und nachvollziehbare Verbrauchsprognosen, beispielsweise über unabhängige Energieberater. Manche Hersteller bieten das ihren Kunden bereits an. Vielleicht hat ja auch der Gesetzgeber künftig ein Einsehen. Bis dahin gilt: Vertrauen Sie nicht blind dem Energieausweis.

 

Bild: dena/BMVBS

 

Die Immobilie wird mobil

19. Mai 2011

Mobilität und Schnelligkeit sind zwei der ganz großen Zauberworte unserer Zeit. Fast selbstverständlich erwartet man innerhalb kürzester Zeit von A nach B zu kommen, gewohnt wird dort wo der Job einen hinführt. Der modernde Mensch ist flexibel, stressresistent und mobil.

Warum erfreut sich dann die Immobilie so großer und wachsender Beliebtheit? Klar, jetzt kann man argumentieren dass im Zeichen der zurückliegenden Wirtschaftskrise verstärkt in „Betongold“ investiert, dass man bei den vielen Luftblasen im Finanzmarkt lieber auf bleibende Werte setzt und so auch der Inflation ein Schnippchen schlagen kann. Alles richtig. Und doch habe ich da auch meine ganz eigene Theorie. Denn bei all der Hektik sehnt sich der Mensch nach ein wenig Entschleunigung, nach einem Hafen der Ruhe, in dem man tun und lassen kann, was man will. Kein Wunder also, dass die eigenen vier Wände auf der Liste der Sehnsüchte und Wünsche ganz weit oben stehen.

Wie man sich in den eigenen vier Wänden wohl fühlt und dennoch mobil bleibt, das versucht jetzt der Fertighaushersteller Schwörer vorzumachen. Mit den „Flying Spaces“ soll das Wohnen dynamisch werden. Die bis zu 50 qm großen mobilen Häuser werden auf Wunsch direkt mit Sanitäreinrichtungen und Küche fix und fertig auf einem LKW angeliefert, sind also sofort bewohnbar, werden innerhalb eines Tages aufgestellt und können auch miteinander kombiniert werden. „Individueller, flexibler Wohnraum für den modernen Menschen geschaffen“, so beschreibt es der Hersteller. Die Module  lassen sich beispielsweise auch als Penthouse auf bestehende mehrgeschossige Häuser stapeln oder im Garten als Zubau aufstellen. Je nach Ausstattung liegen die Preise zwischen 40.000 und 85.000 Euro. Kein Schnäppchen, aber eine komfortable, schnelle und saubere Lösung, wenn Wohnraum benötigt wird. Steht ein Umzug an, ist das Modul auch ruckzuck wieder ab- und an neuer Stelle wieder aufgebaut. Wer jetzt so etwas wie einen Bürocontainer erwartet, wird positiv überrascht. Der Hersteller benutzt die gleichen Wandaufbauten wie für seine Fertighäuser, das Modul steht auf einer solifen Bodenplatte und „fühlt“ sich innen wie ein richtiges Haus an.

Mich interessiert Ihre Meinung. Werden sich solche Konzepte in Zukunft verstärkt durchsetzen?

Energiewende im eigenen Zuhause

9. Mai 2011

Noch im April 2010 waren nach einer Umfrage des Magazins Focus 81 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung der Meinung Atomstrom sei notwendig. Eine Umfrage durch die F.A.Z. im April diesen Jahres zeichnet ein anderes Bild. In Westdeutschland bezeichnen sich nun 42 Prozent als vehemente Atomkraft-Gegner, in Ostdeutschland sind es 29 Prozent.

Gegen Atomstrom zu sein ist die eine Sache, etwas in seinem persönlichen Umfeld zur Energieeinsparung zu tun die andere. Hier klaffen oft Anspruch und Realität auseinander – manchmal aus Unwissenheit. Denn schließlich sind Industrie und Verkehr die schlimmsten Energievernichter, was soll ich da in meinen eigenen vier Wänden schon ausrichten?

Stimmt und stimmt auch nicht. Richtig ist, dass nach den Energiedaten des Bundesministeriums für Wirtschaft 28 Prozent des Endenergieverbrauchs von der Industrie und satte 30 Prozent vom Verkehr beansprucht werden. Aber knapp dahinter folgen schon die privaten Haushalte mit immerhin 27 Prozent.

Insofern bietet sich auch im privaten Bereich ein erhebliches Einsparpotential. Besonders, wenn man sieht, wofür Energie im eigenen Haushalt eingesetzt wird. 71 Prozent dienen der Raumwärme, 17 Prozent gehen auf das Konto von Elektrogeräten und Beleuchtung, zwölf Prozent werden für Warmwasser genutzt.

Selbst wer gegen einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie ist, wird anerkennen müssen, dass Energie ein kostbares Gut ist, mit dem sparsam umgegangen werden sollte. Denn alles andere macht sich nicht nur in der Umwelt, sondern auch negativ im eigenen Geldbeutel bemerkbar. Wenn Sie also ein Neubau-Vorhaben planen oder eine Immobilie renovieren wollen, lohnt es sich etwas genauer hinzuschauen und sich für ein Effizienzhaus zu entscheiden, eine ordentliche Wärmedämmung anzubringen und energiesparende Heiztechnik mit regenerativen Energien einzusetzen. Stellenweise unterstützt Sie Vater Staat dabei sogar durch zinsgünstige Darlehen oder Tilgungszuschüsse. Die Energiewende beginnt auch und gerade in den eigenen vier Wänden.

 

Bild: Isover

Bild Dir Deine Meinung

21. April 2011

Gerne präsentieren sich die BILD-Zeitung und ihr Online-Ableger Bild online als Sprachrohr des kleinen Mannes und als Kämpfer für den Verbraucher. Aber nicht immer scheint man dabei mit großer Sachkenntnis vorzugehen. Was sich im Internet kurz vor Ostern auf der Webseite der Zeitung unter der Überschrift „Fünf fiese Fallen beim Fertighaus-Kauf“ lesen ließ, gehört nach meiner Meinung zumindest teilweise in die Kategorie „Grober Unfug“!

Da wird behauptet, die in Ausstellungen zu findenden Häuser seien stets die jeweilige Luxusvariante. Falsch, etliche Hersteller zeigen in vielen Ihrer Musterhäuser ganz bewusst die Ausstattung im Standard, um Kunden die bereits in der preiswerten Variante gute Qualität demonstrieren zu können.

Sehr einseitig auch der Tipp der im Artikel zitierten Sprecherin des Verbands Privater Bauherren (VPB) Eva Reinhold-Postina: „Ich würde nie ohne einen unabhängigen Bausachverständigen ein Fertighaus kaufen.“ Ganz schön clever die Dame. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und empfehle bei jedem Hauskauf die Hinzuziehung eines Fachmanns. Das auf Fertighäuser zu beschränken verunglimpft zu Unrecht eine ganze Branche. Denn gerade der Fertigbau hat bei Verträgen, Bauleistungsbeschreibungen usw. in aller Regel seriöse und nachvollziehbare Regelungen.

Fakten, die man bei Bild online offenbar nicht kennt oder nicht wahrnehmen will. Dafür schreibt man dann zur Baugenehmigung lieber Sätze wie: „Besitzer eines Grundstücks, auf das nur ein Fertighaus gesetzt werden soll, müssen sich darum meist selbst kümmern.“ Nur ein Fertighaus? Die Präzision und gleichbleibende Qualität, mit der Fertighäuser in wettergeschützten Montagehallen industriell vorgefertigt werden, stünde so manchem Massivbau sicher gut zu Gesicht. Argumente, denen sich auch eine wachsende Zahl von Bauherren nicht verschließen kann. Rund 15 Prozent der Neubauten im Ein- und Zweifamilienhausbereich sind mittlerweile Fertighäuser.

Aber VPB-Sprecherin Reinhold-Postina mag es anscheinend lieber massiv und verteilt deshalb noch einen kleinen Hieb unter die Gürtellinie: „Gehen Sie gemeinsam die ganze Hütte durch und machen Sie eine Abnahme nicht kalt, schriftlich und allein.“ Frau Reinhold-Postina, ich weiß ja nicht, welche „Hütten“ Sie zu Ihrer Aussage getrieben haben, empfehle Ihnen aber mal einen Blick in unsere zahlreichen Publikationen zum Thema Fertigbau oder auf die Webseite www.fertighausscout.de zu werfen. Also ich würde in jeder dieser „Hütten“ sofort und mit Freuden einziehen wollen.

Ihnen liebe Bau-Interessierten kann ich nur empfehlen, sich umfassend und seriös zu informieren und danach das Motto der BILD-Zeitung zu beherzigen: „Bild Dir Deine Meinung!“

 

Sparen um jeden Preis?

12. April 2011

Über Sinn und Unsinn von Passivhäusern und besonders energiesparenden Gebäuden gab es in der Vergangenheit wiederholt durchaus kontroverse Diskussionen. Gelegentlich wurden diese Mehr-Investitionen als völlig unwirtschaftlich beschrieben. 15.000 Euro Mehrkosten kämen schließlich schnell zusammen, die jährliche Ersparnis gegenüber einem leidlich gut gedämmten Haus liege maximal bei einigen hundert Euro.

Stimmt. Und stimmt auch wieder nicht. Denn wie erfindungsreich der Staat bei Abgaben ist, sehen wir bei der gerade geführten Diskussion um Dieseltreibstoff. Und nicht zum ersten Mal. Was heute noch preiswert ist, kann durch neu eingeführte Steuern morgen schon ein teures Vergnügen sein. Dass die Energiepreise künftig steigen, darüber kann es nach meinem Dafürhalten keine zwei Meinungen geben.

Insofern ist es mehr als sinnvoll sich von solchen Entwicklungen weitestgehend unabhängig zu machen. Das Passivhaus ist da nur ein Weg. Mit dem Plus-Energie-Haus steht die nächste Entwicklungsstufe schon vor der Tür. Hier wird zumindest rechnerisch mehr Energie erzeugt als verbraucht. Wirklich spannend wird diese Thematik, wenn es sinnvolle Möglichkeiten zur
Speicherung der selbsterzeugten Sonnenenergie gibt, beispielsweise mit Akkus.Dann ist es künftig sogar möglich, sich komplett von der Stromversorgung der Energieversorger abzukoppeln und in seinen eigenen vier Wänden energieautark zu sein. Bei den zu recht geführten Diskussionen um Atomkraftwerke und CO2-Reduzierung sicher keine schlechte Entscheidung.

Dass solche Entscheidungen natürlich auch einer Wirtschaftlichkeit unterliegen müssen – keine Frage. Wer dabei allerdings nur von jetzigen Preisen und Vorstellungen ausgeht, denkt meines Erachtens zu kurz. Planen Sie gerade einen Haus-Neubau? Dann würde mich interessieren, wie Sie dort das Energieproblem angehen werden.

 

Herzlich willkommen!

12. April 2011

Herzlich willkommen zum neuen Blog auf www.bautipps.de. Als Chefredakteur der Magazine „Hausbau“, „bauen!“, „pro fertighaus“ und „Effizienzhäuser“ versorge ich Sie an dieser Stelle ab sofort mit Neuigkeiten, Meinungen, Trends und Entwicklungen rund um das Thema Bauen. Und freue mich auf Ihre Ideen und Anmerkungen, wünsche mir viele angeregte Diskussionen und stelle mich dabei gerne auch Ihrer Kritik.

Ihr Harald Fritsche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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