Fakten, Fakten, Fakten!

Dieser Werbeslogan der Zeitschrift „Focus“ ist von bestechender Klarheit und lässt wenig Spielraum für Interpretationen. Nur wer sich an Fakten hält, kann seine Leser objektiv und seriös informieren. Schade, dass man dieses Prinzip auf der Internetseite des Focus beim Artikel „Pro & Contra Fertighäuser“ augenscheinlich komplett außer Acht gelassen hat:

Zum Artikel auf focus.de.

Schon der Text in der Adresszeile legt nahe, dass die Autorin eine überaus klare Vorstellung vom Fertigbau hat: „schoener-wohnen-im-retortenhaus“ – was auch immer ein Retortenhaus sein mag. Der auf neun Online-Seiten folgende Artikel stellt sich mir als eine äußerst ungesunde Mischung aus Vorurteilen, Halb- bzw. Gar-nichts-Wissen dar.

Ein paar Zitate gefällig?

Zitat 1
„Auch dass der Kaffeeröster „Tchibo“und die Pressspan-Schmiede „Ikea“ sich in diesem Segment verdingen, ist nicht eben imagefördernd, zumal die Bausätze dieser beiden Anbieter von unabhängigen Experten zum Teil vernichtende Kritiken erhielten.“

Fakt ist: Die vom renommierten Fertighaushersteller Bien-Zenker für Ikea produzierten Häuser wurden schlüsselfertig angeboten, beim Tchibo-Angebot mussten sich Käufer nur noch um Tapeten und Bodenbeläge selbst kümmern. Mit „Bausätzen“ hat dies wahrlich nichts zu tun.

Zitat 2:
„Dennoch ist das Geschäft mit dem Eigenheim von der Stange nicht tot zu kriegen. … Zwar gilt weiterhin, dass Käufer an bestimmte Modelle und Designs gebunden sind. Die Vielzahl der Anbieter macht es allerdings möglich, ein Haus zu finden, das den persönlichen Vorlieben entspricht.“

Fakt ist: Das Eigenheim von der Stange, das Haus aus dem Katalog gibt es im Fertigbau längst nicht mehr. Gebaut wird, was der Kunde wünscht. Hoch individuell und flexibel, meist unter Mitarbeit von freien oder beim Haushersteller angestellten Architekten. Musterhäuser und Prospekte liefern lediglich unverbindliche Anregungen und Ideen, wie das eigene Heim aussehen könnte. Das Typenhaus der 70er-Jahre spielt im modernen Fertigbau längst keine Rolle mehr.

Zitat 3:
„Ein weiterer Nachteil von Fertighäusern gegenüber gemauerten Gebäuden: Sie können weniger Wärme speichern und kühlen im Winter schneller aus.“

Fakt ist: Um das Auskühlen zu verhindern und so die Heizkosten zu senken ist nicht Wärmespeicherung, sondern die Dämmung des Gebäudes entscheidend. Alle namhaften Hersteller von Fertighäusern bietet ihren Produkte mindestens nach dem KfW-Effizienzhaus-70-Standard an. Hierbei handelt es sich um ein Qualitätszeichen, das von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entwickelt wurde. Solche Gebäude sind hervorragend gedämmt, die immer teurere Heizenergie kann nicht ungenutzt in die Umwelt entweichen. Überprüft wird dies beispielsweise mit Blower-Door-Tests, die die Dichtheit des Gebäudes belegen. Viele Hersteller erfüllen mit ihren Häusern sogar standardmäßig die noch besseren KfW-55- oder KfW-40-Anforderungen. Auch so genannte Passivhäuser sind im Holzfertigbau kein Problem.

Nur einige Beispiele, die zeigen, dass es in diesem Artikel mit „Fakten, Fakten, Fakten!“ offenbar nicht zum besten bestellt ist. Mein Tipp: Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen und informieren Sie sich zu einer so weitreichenden Entscheidung wie einem Hauskauf besser in Medien, die wissen, wovon sie reden. Oder um es mit einem Werbeslogan zu sagen: „Fragen Sie lieber jemanden, der sich damit auskennt.“

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1 Kommentar zu „Fakten, Fakten, Fakten!“

  1. Jonas Naumann sagt:

    Beim Hausbau sollte man sich auf jeden Fall im Internet über Preise informieren oder gleich einen Online-Angebotsvergleich hinzuziehen. Ein Bausachverständiger, der den Bau begleitet, sollte Pflicht sein! So spart man Ärger und Zeit!